Der Ötzi ging heuer im wahrsten Sinne des Wortes so richtig „unter die Haut“.

Nach Anreise am Freitag und Aufbau des Infostandes stand am Nachmittag der bike4help Prolog auf dem Programm. Trotz ströhmendem Regen starteten über 100 Sportler auf die kurze, aber sehr steile Strecke – darunter 10 meiner Sportler. Das Ziel: sich durch ein gutes Abschneiden oder Losglück einen Startplatz für Sonntag zu holen – was auch gelang: Kathrin wurde bei den Damen saustarke zweiter und Gernot und Chris rutschten haarscharf unter die besten 16 und durften somit am Sonntag eine Stunde schlafen – genauso wie Marc, der über das Los einen Startplatz in 1c ergatterte. Also waren wir am Sonntag mit 10 Fahrern im Block ein vertreten!

Auch der Samstag war leider komplett verregnet und lies keine Ausfahrt zu. Mit Bekleidungsausgabe und Fotoshooting sowie taktischem Breifing war der Tag aber auch schnell herum. Nachdem ich „ambitionierte Ziele“ hatte und meine starken Jungs auf ihrem Weg unter 8 Stunden zumindest bis Sterzing maximal unterstützen wollte entschieden wir am Samstag, meine 38er Crossreifen gegen schlankere 28er Vittoria Corsa zu tauschen. Chris machte sich ans Werk und riss dabei leider die verklemmte Steckachse am Vorderrad ab. Erster Weg zu Mavic an den Stand, um die verkeilte Achse aus der Nabe entfernen zu lassen, dann begann die Suche nach einem Ersatzteil. Fünf meiner Jungs durchkämmten jeden Radladen vor Ort und alle Aussteller – aber die passende Achse war einfach nicht zu bekommen …

Also kam Plan B – ein Leihrad – zum Einsatz. Auch hier Fehlanzeige in Sölden alles verliehen oder nur MTB. Also den Suchradius erweitert bis mir mein guter Freund Peter Fiegl vom Bike-Center Ötztal in den Sinn kam. Handy zur Hand und schon hatten wir die Zusage für ein Rennrad, es musste nur noch von Ötz nach Sölden gebracht werden. Auch das gelang irgendwie und so konnte ich nach der Arbeit am Infostand, taktischem Briefing mit meinen Jungs und Mädels, Verteilung der Flaschen für die KC-Labestationen und allen sonstigen Beigeräuschen knapp vor Mitternacht die Montage des Rades in Angriff nehmen.

Einschlafen war schwer – zu sehr beschäftige mich die Ungewissheit, nach 3 Jahren wieder auf schmalen 25er Reifen unterwegs zu sein – noch dazu mit einem fremden Rad, anderer Kurbellänge usw… egal – es gab keinen anderen Weg außer Startverzicht und meine Leute nicht zu supporten kam nicht in Frage. Vielleicht kam ich auf eine Stunde Schlaf bis um 4:00 Uhr der Wecker meines Zimmerkameraden klingelte. Ich hätte ja dank Startblock 1A noch liegen bleiben können, aber das wäre ja zu einfach gewesen… Also erstes Frühstück, anziehen und um 5:20 Uhr gemeinsam mit meinen schnellen Jungs Richtung Start – fast alleine standen wir dort, die Helfer gerade noch mit dem Aufstellen der Absperrungen beschäftigt. Nach letzten taktischen Instruktionen stellte ich meine Sitzhöhe provisorisch ein und setzte den Lenker eine Etage tiefer. Zurück im Hotel mit meinen Leuten im Block 1A/B/C zum 2. Frühstück und Tipps für richtige Bekleidung gleich weitergegeben. Gegen 6:15 Uhr selbst in die Startaufstellung und gleich 3 Micros vor die Nase gehalten bekommen – war eh klar.

Der übliche Smalltalk mit den Favoriten in der ersten Startreihe und los ging es – ich noch immer nervös bis beängstigt, wie direkt meine Lenk- und Beschleunigungskräfte auf das Rad wirkten. Langsamer als sonst ging es hinter dem Pace-Car talwärts – hier war es zum Glück noch trocken! Immer besser kam ich mit meinem neuen Geschoss zurecht – so gut, dass ich mich auch mal vor das Feld spannte, um den hektischen Situationen weiter hinten zu entgehen. Wenig später in Ötz staunte ich nicht schlecht, wie locker ich an der ersten Rampe die erweitere Spitze halten konnte und musste mich zügeln um meine Strategie einzuhalten – nämlich auf meine Jungs zu warten und sie möglichst gemeinsam übers Kühtai und den Brenner zu pilotieren.

Gedacht – getan: runter vom Gas, bis die ersten Jungs nachkamen. Zuerst Allessandro, dann Ralf, Klaus, Uwe, Thomas, Andre, Nici, Jürgen, Max. Jedem noch ein paar Tipps gegeben und daran erinnert, etwas dosierter ans Werk zu gehen. Dazwischen jede Menge Bekannte gegrüßt und alles Gute gewunschen. Schließlich kamen schon ein paar meiner Jungs aus Block 2 – bis endlich Gernot (dank Prolog aus Block 1C gestartet) endlich in Sicht rückte… aber wo war Chris? Wo war Mona? Also erst mal Pinkelpause eingelegt und den Zwischenstand an unsere Betreuer am Kühtai weitergereicht, um dort die Flaschen in der richtigen Reihenfolge vorbereiten zu können.

Nach einer weiteren Minute Stehzeit kam Chris vorbei – ich zog ihn fortan am Anschlag und er war heilfroh nicht seine Sub8 Ambitionen schon am Kühtai begraben zu müssen. Genau an unserer Labe konnten wir auf Gernot und Nici aufschließen und gemeinsam in die Abfahrt gehen. Es regnete schon den ganzen Aufstieg wir waren nass bis auf die Haut. Es nützte nichts – mit Volldampf hinunter – reihenweise Leute eingesammelt und mit Vollschub auf eine weitere Gruppe in Völs aufgefahren. Erst mal kurz Durchschnaufen, Essen, Trinken und rein in den Brenner.

50 Mann waren wir, davon 8 Leute von uns – besser hätte es nicht laufen können! Schnell auch noch die Zwischenzeiten meiner anderen FahrerInnen gescannt – alle gut dabei, Mona 2. AK, Renate 3. AK, wir auf Kurs sub8. Bis Schönberg war guter Zug in der Gruppe und als dieser nachließ, dirigierte ich die Gruppe zu einem belgischen Kreisel wie aus dem Bilderbuch. Mit 40 Sachen ging es dahin bis Wolf, dann übernahmen einige Heißsporne die Führung und teilten die Gruppe kurzzeitig – bis zur finalen Rampe am Brenner. Nach kurzer Hektik an unserer Verpflegungsstation (kein Wunder bei 8 Leuten auf einmal), hatte ich keine leichte Aufgabe damit, in der flachen Abfahrt nach Sterzing meine letzten Jungs wieder in die zersplittere Gruppe zu bringen. In Sterzing hatte ich mit einem ordentlichen Rattenschwanz wieder die Hauptgruppe erreicht und fuhr letztendlich auch noch bis Gasteig komplett von vorne – Wattmesser hatte ich keinen, aber Gernot hatte am Hinterrad selten unter 250-300 Watt sagte er hinterher.

Zu Beginn des Anstieges verteilte ich noch letzte Tipps an meine 7 Jungs und musst mir dann in der ersten Kehre eingestehen, dass man mit nicht einmal 5000 Trainingskilometern und dieser Vorarbeit am Jaufen keine 280 Watt mehr treten kann. Schweren Herzens ließ ich meine Jungs ziehen – noch lagen wir perfekt auf Kurs Richtung 7:50-7:55 Endzeit – somit hatte ich meine erste Aufgabe erfüllt und nun etwas Zeit bis zu meinem 2. Helfereinsatz. Erst mal würgte ich 3 Riegel hinunter während mich gefühlt 500 Fahrer überholten. Darunter Klaus, der uns leider am Kühtai knapp verpasste, dicht gefolgt von Nadja Prieling, die sensationell führte und einen sehr starken Eindruck machte. Doch wenig später kam Laila schon angeflogen – wie ich im Anschluss von ihren Teamkollegen erfuhr, nur durch eine kurze Pinkelpause in Rückstand geraten.

Dann dauerte es lange, bis Oliver, Marc, Mathias, Thilo, Joel, Uwe alle einzeln an mir vorbei kamen und jeweils noch ein paar aufmunternde Worte im prasselnden Regen mit auf den Weg bekamen. Mona war dicht dahinter und zum Glück war mein Tiefpunkt überwunden um sie von nun an zu unterstützen – schließlich lag sie auf Platz 5 Gesamt und Platz 3 in ihrer stark besetzen Altersklasse. Sie war super drauf und ging bis zum Jaufen auch noch an Uwe und Joel vorbei, bis wir nach vielen motivierenden Zurufen auf den letzten Metern in die Abfahrt – und damit in ein Gemisch aus dichtem Nebel und heftigem Regen eintauchten – das war wirklich nichts für Angsthasen da hinunter.

Ich musste kurz austreten und hatte lange zu kämpfen, um dann erst in Moos wieder zu Mona zu gelangen und bei meiner Mutter an unserer letzten Labe nochmal ordentlich „Futter“ nachzufassen und meine anderen Fahrer damit zu versorgen. Es lief richtig gut bei ihr und erst hier verriet ich ihr die Zwischenstände, die sie noch einmal zusätzlich beflügelten. Begleitet vom Kamerateam ging es berghoch und langsam aber sicher ging Mona die Kälte an die Substanz – so schleppte sie sich bis ins Flachstück, wo ihre Bekannten noch ein rettendes Cola bereit hatten für sie – kaum ging es wieder bergauf folgten dann erste Krämpfe und es war ein harter Kampf auf Zug zu bleiben für sie.

Von der Labe Schönau kamen dann endlich noch die Zwischenzeiten herein – der Vorsprung schmolz dahin aber Mona kämpfte gegen sich selbst und den Berg, während Steffen von hinten an uns heran kam und auch noch ordentlich Motivation spendete. Nach der letzten Labestation schien es Mona wieder besser zu gehen, aber in trockenen Tüchern war noch gar nichts, denn weiter oben in den letzten Kehren waren wieder Krämpfe und fast ein Halt notwendig um weiterfahren zu können. Im Tunnel schnell die Jacke übergestülpt und auch noch die letzten Meter zum Pass bewältigt – begleitet von strömendem Regen, Wind und eisiger Kälte ging es dann „endlich“ in die eilkalte Abfahrt.

Mona dosierte die Kurven gut doch am Gegenanstieg war es nochmal ein K(r)ampf, sie über das vermeintlich letzte Hindernis zu führen. Steffen wich nicht von unserer Seite, obwohl er viel schneller hätte fahren können und auch noch ein weiterer Stefan aus unserer Crew, der durch einenkleinen Stopp am Timmelsjoch von uns eingeholt wurde, gesellte sich zu uns – genauso wie alle Fahrer die wir in der Abfahrt noch aufrollten. Ich war bereits so kaputt, dass Steffen die Führung übernahm und ich nur noch darauf achtete dass Mona nicht durch erneute Krämpfe zurück fiel. Knapp vor Sölden noch ein letzter „Steher“ – aber Mona biss sich durch und rollte mit uns gemeinsam und überglücklich ins Ziel.

Im Ziel wurden wir schon von unseren schnellen Jungs empfangen – Gernot war sogar schon geduscht! Zusammen mit Allesandro und Chris hatte er voll durchgezogen und erst am Timmelsjoch den Bedingungen etwas Tribut zollen müssen. So erreichte Alex in 7:40 das Ziel, Christoph bei seiner Ötzi-Premiere landete bei 7:51 und Gernot hatte 8:06 auf der Uhr – nicht auszudenken, was das bei Schönwetter für eine Zeit abgegeben hätte – trotzdem immer noch 40min schneller als im Vorjahr bei perfekten Bedingungen! Klaus war der Nächste mit 8:15, dann Andre (8:35), Thilo (8:37), Marc (8:40). Nici hatte leider Defekt und kam erst knapp hinter uns ins Ziel.

Unter 9 Stunden blieben außerdem Christian, Alex und Matthias, während Gerhard, Joel und Ralf diese Marke knapp verpassten. Sehr gefreut hat uns auch die Performance von Kathrin, mit der ich schon beim Maratona unterwegs war und über ihr Können staunte! Mit 9:32 als 16. Dame (AK 9.) ist für das 2. Jahr am Rennrad mehr als beachtlich! Dahinter war es auch noch spannend, denn Renate, die ich letztes Jahr bei ihrem Sieg (AK) begleitet hatte, lieferte sich ein spannendes Duell um Platz 3 in ihrer Klasse, das schlussendlich knapp zugunsten ihrer Mitstreiterin Josephine ausging. Trotzdem kann Renate genauso stolz sein, wie unsere 36 weiteren Finisher von denen ich am liebsten keinen einzigen unerwähnt lassen würde, aber ein Blick in die Ergebnisse ist dank Datasport DS live ja sehr einfach – einfach mit diesem Link einsteigen und „Kirchmair Cycling“ als Suchbegriff eingeben – leider werden aber nur 40 unserer 50 Starter alphabetisch angezeigt.

Während uns beim Warten und Gratulieren das erste Mal an diesem Tag noch die Sonne ins Gesicht schien, kam dann leider erneuter Regen auf und verscheuchte die Fahrer und Zuschauer aus dem Zielbereich und auch uns endlich unter die Dusche im Teamquartier. Vor dem Abendessen wartete ich noch auf unserer letzten Finisher. Andreas, Peter, Ulrich, Christian, Martin, Gianluca, Oliver, Nadja und Achim die sich zum Glück allesamt bei der Ötzi-Streckenbesichtigung mit mir die wichtigsten Tipps zum „Überleben“ beim Ötzi geholt hatten, kamen überglücklich ins Ziel und waren unendlich dankbar für die Unterstützung. Beim Abendessen und der Siegerehrung wurden noch fleißig Erlebnisse ausgetauscht und schon jetzt ist die Vorfreude auf den Ötztaler 2019 riesengroß! Ab Oktober geht es wieder los mit dem Training – dazu bitte rechtzeitig bewerben, denn die Plätze werden schnell belegt sein. Kaum ist der Ötztaler aufgearbeitet und analysiert, beginnt schon die Fein-Planung für das nächste Jahr – einen groben Überblick unserer Events ist bereits online!

Ich wünsche euch gute Erholung und freue mich auf eine tolle Radsaison 2019 mit euch, denn nach dem Ötzi ist bekanntlich vor dem Ötzi und Radfahrer werden im Winter gemacht!

Bis bald, euer Stefan