Wie schon fast traditionell starteten wir am ersten Samstag im August auf unsere gemeinsame Ötztaler Generalprobe. Einige waren schon am Vorabend angereist und erlebten mit der Oldtimer-Ralley in Ötz ein tolles Abendprogramm. Überpünktlich trafen dann die ersten Teilnehmer an der Ötztaler Höhe ein uns trotz spontanem Autowechsel rollten wir genau nach Zeitplan los. Mit fast 20 Teilnehmern war es eine gute Gruppengröße uns schnell fand man Anschluss an bereits bekannte Gesichter aus den bisherigen Events oder vom Facebook. Vor Abfahrt geb es noch ein Briefing zum Ablauf des Tages, Verhalten in der Gruppe und zum Kühtai, dann ging es auch schon los! Erstmal einrollen stand auf dem Zettel, denn die erste Rampe des Kühtai hat es bekanntlich in sich!
Trotz Vorwarnung beim Briefing vor dem Start ging es für einige gleich voll zur Sache, aber lieber machten sie jetzt diesen Fehler und nicht dann beim Ötzi in drei Wochen. Mit allen, die trotz Übermut ihr Tempo drosseln konnten, fuhr unser Coach Stefan Kirchmair in einer Gruppe hinterher und erklärte ganz genau, worauf es zu achten gilt am Anstieg ins Kühtai. Mit Erklärungen und einigen Foto-Spots unserer beiden Betreuer war schnell Ochsengarten erreicht, eine Schlüsselstelle des Kühtai. Im langen Flachstück kann man genauso viel falsch machen, wie in der nachfolgenden Rampe und daher gab es hier noch eine Extra-Einweisung für unsere Gruppe.
An den Rampen danach sammelten wir einige Fahrer wieder ein dann kurz vor dem Gipfel die Info, wo Sonja und Alex unsere Labestation beim Ötztaler einrichten werden. Nicht viel hinter den schnellsten erreichten wir das Kühtai und just in dem Moment kam auch die Sonne zum ersten Mal richtig satt zur Geltung. So waren die verschwitzen Trikots schnell getrocknet, bis unser Gruppetto eintraf und wir nach einem obligatorischen Gruppenfoto und Briefing zur Abfahrt talwärts schossen. Für die Schnelleren ging es noch über Axams und das Mittelgebirge bevor wir uns wie üblich beim Bäcker Ruetz auf Cafe und Kuchen trafen und das Kühtai revüe passieren ließen.
Bevor jedoch Müdigkeit aufkam nach den leckeren Kuchen, Semmeln und Weckerl ging es weiter nach Innsbruck und rein in den Anstieg zum Brenner. Während der Fahrt viele Fotos und Infos, weil auch hier werden meist viel zu viele Körner verschossen im Rennen. Bis zur Stephansbrücke blieben wir komplett beisammen, die Steigung dann in zwei Gruppen und nach kurzem Halt in Schönberg ging es gemeinsam weiter bei herrlichem Rückenwind, Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen Richtung Italien. Alle hatten einen guten Rhythmus gefunden, was auf dem Anstieg zum Brenner das aller wichtigste ist, um gut und möglichst schnell drüber zu kommen. Am Anfang muss man etwas dosieren, um am Ende seine Gruppe halten zu können und in der steilen Rampe am Ende noch genug Körner zu haben.
Nicht fehlen durfte natürlich ein italienischer Espresso am Brenner oder auch noch ein zweiter, den wir gemeinsam mit dem Grupetto in der Nachmittagssonne genossen. Nach 30 Minuten war aber gut und wir rollten weiter nach Sterzing, wo sich 2 Möglichkeiten ergaben: 1. Altstadt (Rad)Bummel mit Eis als Belohnung oder Panoramarunde im Ratschingser Tal. Für alle, die noch nicht genug hatte, ging es Richtung Jaufen und dann rechts ab ins Ratschings auf eine unbekannte aber wunderschöne Panoramastraße hoch über dem Tal. Zwar sehr steil über 3 Kilometer aber oben wartete ein herrlicher Ausblick auf uns. In unserem Fall saßen uns schon die Gewitter aus dem Ratschings und vom Brenner her im Nacken und mit HighSpeed schossen wir ins Tal, um fast zeitgleich mit der Genuss-Gruppe das Hotel zu erreichen.
Unsere Betreuer hatten schon eingecheckt und alles vorbereitet – so ging es schnurstrax unter die Dusche und noch einen flotten Aufguss, bevor wir auf der Terrasse noch auf den genialen Tag anstießen und uns wenig später über das üppige Buffet hermachten. Für jeden war etwas dabei, von Salat, Pasta, Fleischspeisen, Gemüse und Dessert. Auch ein guter Tropfen durfte nicht fehlen und so ging es gut gestärkt in den Vortrag, für den wir einen eigenen Raum mit angenehmer Temperatur zur Verfügung hatten, nachdem die Hitze vom Tag noch nicht verzogen war. Nach fast 1,5 Stunden stellten wir verblüfft fest, wie schnell diese Zeit vergangen war bei der angeregte Fragerunde zum Ötztaler mit Tipps und Tricks, einer Vorschau auf den 2. Tag der Runde und das Rennwochenende in drei Wochen.
Draußen regnete es mitterweile und hatte abgekühlt, so konnten wir auf der Terrasse noch ein Gläschen genießen, bevor es in Bett ging. Morgens lachte uns statt dem vorhergesagten Regen die Sonne ins Gesicht und nach einem vorzüglichen Frühstück und einem Erinnerungsfoto vor dem Hotel rollten wir schon dem Jaufenpass entgegen. Dicke Wolken hüllten ihn noch ein, doch es war angenehm warm und fast trocken – perfekte Bedingungen also zum Radfahren. Heute was das Tempo schon gemäßigter und auch die Heißsporne hielten sich zurück und lauschten den Tipps von Stefan zur richtigen Fahrweise am Jaufenpass. Der Jaufen ist angenehm zu fahren, sehr rhythmisch aber man kann trotzdem sehr viel Kraft sparen mit Stefans Tipps, was wir feststellten als wir ohne große Mühe die Waldgrenze und wenig später den noch in Nebel gehüllten Gipfel erreichten.
Unsere Betreuer hatten schon ein tolles Buffet aufgebaut und auch heute hatten wir riesen Glück dass wir ein paar Sonnenstrahlen erwischten am Gipfel. Stefan hatte aber trotzdem alles gut im Blick und so drückte er aufs Tempo, dass wir von dem völlig überraschend aufziehenden Platzregen noch halbwegs verschont in die Abfahrt gingen. Der Mittelteil war noch trocken, doch man konnte schon erahnen, was nun ab Mittag auf uns wartete… REGEN! Überall hingen dicke schwarze Wolken und auch Gewitter in den Bergen. Auch in St. Leonhard regnete es, während wir noch auf die letzten warteten doch an umdrehen dachte niemand – schließlich wird beim Ötztaler ja auch im Regen gefahren und nicht umgedreht! Während unsere Betreuer noch alle logistischen Optionen mit Bus, Taxi und Wetterbericht abcheckten rollten wir gemütlich nach Moos, wo die erste Rampe auf uns wartet. Fetznass waren wir eh schon, da kam die langsame bergfahrt gerade recht um innerlich warm zu bleiben.
In kleinen Grüppchen fanden sich die Leute zusammen – während Stefan uns umkreiste und mit Informationen versorgte. So wussten alle Bescheid, dass bis Schönau gefahren wird und ab dort der Bus alle mitnimmt, die nicht weiter fahren wollten. Die verbleibenden 12 Kilometer bis Schönau vergingen wie im Fluge, doch im Flachstück konnte man schon erahnen, wie halt es wirklich war. Nach einer Stärkung am Auto war man froh, bald wieder ordentlich Steigungsprozente unter dem Reifen zu haben um sich wieder aufzuwärmen. Es schüttete unerlässlich wie aus Kübeln, über die Straße flossen Bäche und der Blick ringsrum gab nicht mehr als eine mystischen Silhouette der Gebirge frei – überall nichts als Regen. Es war ein Kampf – genauso wie beim richtigen Ötztaler und wie empfohlen war es richtig, sich schon im Tunnel für die kalten und windigen letzten Kilometer zum Pass einzustellen.
Das Auto wartete direkt vor dem Restaurant – an eine Abfahrt war unter den derzeitigen Umständen kaum zu denken. Also rein in die Hütte, wo schon das Wasser am Boden stand vor lauter nasser Radfahrerkollegen, Wanderer und Autofahrer, die hier Schutz suchten. Ein Tee und Kuchen machten das ganze aber schnell vergessen und trockene Klamotten aus dem Rucksack sorgen schnell für Wärme. Nach einer guten halben Stunde riss es auf – kurios nachdem es die letzten 3 Stunden geschüttet hatte wie aus Kübeln. So ging es dann für die hartgesottenen in die Abfahrt, nur eine Hand voll nahm den gerade abfahrenden Bus bis Obergurgel und von dort ging es dann gemeinsam nach Sölden zur Inspektion des Zieleinlaufes, unserer Unterkunft beim Ötztaler und dem Lokal, wo wir uns am Freitag und Samstag treffen und feiern. Bis alle da waren blieb es trocken und wir rollten talauswärts, doch es dauerte nicht lange, bis wieder Dauerregen einsetzte, den wir bis zum Ausgangspunkt als Begleitung hatten.
Aber nachdem es noch Leute in der Gruppe hatte, die gerne ihre Nase in den strammen Gegenwind steckten, verging die Fahrt nach Ötz wie im Fluge und im Feld konnte man sich noch gut unterhalten. Für einige stand dann leider schon direkt die Heimreise an, etwa die Hälfte blieb jedoch noch für zumindest eine Nacht oder für weiteres Training im Ötztal. So gab es noch ein gemeinsames Abendessen und einen netten Abend mit den wackeren Mitstreitern und ihren Begleitpersonen, die sich auch im Hotel kennengelernt hatten und eine schöne Zeit miteinander verbracht hatten. Mit vielen neuen Freundschaften und Erfahrungen im Gepäck ging es dann Montags wieder zurück nach Hause. Die Ötztaler Generalprobe wird uns wohl allen gut in Erinnerung bleiben, sie hat uns zusammengeschweißt und wir haben viel gelernt.

Danke an das tolle Betreuerteam! Es war nicht einfach, bei diesem Wetter alles richtig zu machen, aber die wenigen Pannen waren schnell vergessen und alle kamen gut zurück. Dazu noch so tolle Erinnerungsfotos… Ich freue mich jedenfalls schon auf den Ötztaler Radmarathon und viele weitere so schöne Events im Jahr 2018!

Danke und bis bald beim Ötztaler!